Ein zentrales Bauteil ist das Batterie-Management-System (BMS). Es optimiert die Speicherung und schützt den Akku vor Überladung, Tiefentladung und Überhitzung. Moderne Systeme wie die von HTW Berlin getesteten setzen auf sichere LiFePO4-Technologie.
Erfahre auch mehr zum Thema: Wie groß sollte der Speicher für ein Balkonkraftwerk sein?
Vor- und Nachteile eines Balkonkraftwerks mit Speicher
Wie bei jeder technischen Entscheidung gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille. Eine ehrliche Abwägung ist der Schlüssel zu einer guten Entscheidung.
Vorteile:
- Höhere Eigenverbrauchsquote: Der größte Vorteil. Ohne Stromspeicher nutzt du oft nur 20-40 % deines Solarstroms selbst. Mit Speicher kann dieser Wert auf über 70 % steigen. Du kaufst deutlich weniger teuren Netzstrom.
- Gesteigerter Autarkiegrad: Du wirst unabhängiger von deinem Stromanbieter und dessen Preispolitik. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde (kWh) entzieht sich den steigenden Strompreisen.
- Gezielte Nulleinspeisung: Ein intelligenter Speicher kann so gesteuert werden, dass er nur so viel Strom abgibt, wie im Haus gerade verbraucht wird. Das verhindert die unerwünschte Einspeisung von Überschuss ins öffentliche Netz.
- Notstromfunktion (bei manchen Modellen): Ausgewählte Systeme bieten die Möglichkeit, bei einem Stromausfall wichtige Verbraucher weiter zu versorgen.
Nachteile:
- Höhere Anschaffungskosten: Ein guter Batteriespeicher für ein Balkonkraftwerk kostet zusätzlich mehrere hundert Euro. Das verlängert die Amortisationszeit der Gesamtanlage erheblich.
- Wirkungsgradverluste: Beim Laden und Entladen des Speichers geht Energie verloren. Der gesamte Modulwirkungsgrad des Systems sinkt. Rechne mit etwa 10-15 % Verlust.
- Standby-Verbrauch: Auch der Speicher selbst und sein Management-System benötigen Strom, selbst wenn sie nichts tun. Dieser Standby-Verbrauch reduziert die Netto-Ersparnis.
- Begrenzte Lebensdauer: Auch wenn LiFePO4-Akkus tausende Ladezyklen versprechen, unterliegen sie einer Alterung (Degradation). Ihre Kapazität nimmt über die Jahre ab.
Die Kosten-Nutzen-Analyse: Lohnt sich die Anschaffung eines Balkonkraftwerks mit Speicher finanziell?
Kommen wir zur Kernfrage: Wann rechnet sich der Spaß? Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: den Energiekosten, deinem Strompreis und deinem Verbrauchsverhalten.
Die Kosten: Ein typisches Speicher-Set für ein 800-Watt-Balkonkraftwerk mit einer Kapazität von rund 1 bis 2 kWh kostet zwischen 500 und 1.200 Euro.
Die Wirtschaftlichkeitsberechnung: Eine einfache Formel zur groben Einschätzung deiner Amortisationszeit lautet:
- Jährliche Ersparnis = (Zusätzlich selbst genutzte kWh pro Jahr) x (Dein Strompreis pro kWh)
- Amortisationszeit in Jahren = (Anschaffungskosten des Speichers) / (Jährliche Ersparnis)
Beispielrechnung:
- Annahme: Dein Balkonkraftwerk erzeugt 800 kWh pro Jahr.
- Ohne Speicher nutzt du 30 % selbst (240 kWh).
- Balkonkraftwerk mit Speicher nutzt du 70 % selbst (560 kWh).
- Zusätzlicher Nutzen: 320 kWh pro Jahr.
- Dein Strompreis: 40 Cent/kWh.
- Jährliche Ersparnis: 320 kWh * 0,40 €/kWh = 128 €.
- Kosten eines Speichers für Balkonkraftwerke: 800 €.
- Amortisationszeit: 800 € / 128 €/Jahr ≈ 6,25 Jahre.
Diese Rechnung ist vereinfacht und berücksichtigt weder den Wirkungsgradverlust noch den Standby-Verbrauch, die die Amortisation weiter verlängern. Bedenke jedoch, dass jeder zukünftige Anstieg des Strompreises die Amortisationszeit verkürzt. Finanziell lohnt sich ein Speicher daher oft erst nach vielen Jahren. Der wahre Gewinn liegt für viele Technik-Fans eher im Autarkiegewinn und der Freude an der optimierten Technik.
Installations- und Wartungsaspekte eines Balkonkraftwerks mit Speicher
Die gute Nachricht vorweg: Die Installation ist meist unkompliziert. Du kannst einen Speicher an dein bestehendes Balkonkraftwerk einfach nachrüsten. Die meisten Systeme werden einfach zwischen die Solarmodule und den Mikrowechselrichter geschaltet – oft nach dem Prinzip „Anstecken und loslegen“.
Wichtige Punkte:
- Kompatibilität: Prüfe, ob der Speicher mit deinem Mikrowechselrichter kompatibel ist. Hersteller wie Anker oder Zendure bieten oft eigene Wechselrichter oder breite Kompatibilitätslisten an.
- Nulleinspeisung: Um eine Einspeisung sicher zu verhindern, brauchst du oft eine zusätzliche Messeinheit (ein intelligenter Zähler oder ein smarter Zwischenstecker), die den Hausverbrauch misst und dem Speicher mitteilt, wie viel Leistung er abgeben darf.
- Sicherheit: Achte auf Zertifizierungen und die Einhaltung von VDE-Normen. Stelle den Speicher an einem trockenen, gut belüfteten und vor extremen Temperaturen geschützten Ort auf. Die Brandgefahr bei modernen LiFePO4-Akkus mit BMS ist äußerst gering, dennoch ist ein sorgsamer Umgang geboten.
- Wartung: Die Speicher sind weitgehend wartungsfrei. Es empfiehlt sich, regelmäßig die Software zu aktualisieren, um von Effizienzverbesserungen und neuen Funktionen zu profitieren.
Vergleich mit Alternativen
Bevor du dich für einen Speicher entscheidest, solltest du Alternativen zur Erhöhung deines Eigenverbrauchs prüfen:
- Verbrauchssteuerung: Die einfachste und günstigste Methode. Lass Großverbraucher wie Waschmaschine, Trockner oder Spülmaschine bewusst dann laufen, wenn die Sonne scheint. Smarte Steckdosen können diesen Prozess automatisieren.
- Ost-West-Ausrichtung der Module: Statt beide Module nach Süden auszurichten, montiere eines nach Osten und eines nach Westen. Das glättet die Erzeugungskurve über den Tag und liefert morgens und abends mehr Strom, wenn der Verbrauch oft höher ist.
Erfahre mehr in unserem Blogbeitrag zur Ost- oder Westausrichtung. Warum die Position Ihres Balkonkraftwerks entscheidend ist.
Direkter Produktvergleich: Anker Solix vs. Zendure SolarFlow
Wenn es um konkrete Produkte geht, stehen Technik-Fans oft vor der Wahl zwischen den führenden Systemen. Ein kleiner Balkonkraftwerk mit Speicher Test der Marken Anker und Zendure im Überblick:
Anker SOLIX Solarbank E1600:
- Technik: Nutzt langlebige LiFePO4-Akkus mit 1,6 kWh Kapazität. Anker verspricht eine Lebensdauer von 6.000 Ladezyklen.
- Kompatibilität: Sehr hohe Kompatibilität mit den meisten marktüblichen Mikrowechselrichtern, was die Nachrüstung erleichtert.
- Besonderheit: Die Installation ist besonders einfach gehalten. Die App ist übersichtlich und auf einfache Bedienung ausgelegt.
- Nachteil: Das System ist nicht modular erweiterbar. Man ist auf die 1,6 kWh pro Einheit festgelegt.
Zendure SolarFlow:
- Technik: Ebenfalls auf LiFePO4-Basis, aber mit einem modularen Ansatz. Eine Basiseinheit (AB1000) hat knapp 1 kWh und kann mit bis zu drei weiteren Akkus auf fast 4 kWh erweitert werden.
- Flexibilität: Die Modularität ist der größte Vorteil. Du kannst klein anfangen und bei Bedarf die Kapazität erhöhen.
- Besonderheit: Bietet oft detailliertere Einstellungsmöglichkeiten in der App, was für Technik-Enthusiasten interessant sein kann, die ihr System optimieren wollen.
- Nachteil: Die Erstinstallation kann durch die Verkabelung der Module untereinander einen kleinen Mehraufwand bedeuten.
Fazit des Vergleichs: Beide Systeme sind technisch ausgereift. Der Anker Solix ist ideal für dich, wenn du eine einfache, unkomplizierte „Alles-in-einem“-Lösung suchst. Der Zendure SolarFlow ist die bessere Wahl, wenn du Wert auf Flexibilität und die Möglichkeit legst, deine Speicherkapazität zukünftig anzupassen.