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Solaranlage Ost-West-Ausrichtung: Lohnt sich Photovoltaik ohne Süddach?

Die ertragsstärkste Solaranlagen-Ausrichtung einer Photovoltaikanlage in Deutschland ist nach Süden ausgerichtet mit 30 bis 35 Grad Neigung – sie erreicht 900 bis 1.300 kWh pro kWp und Jahr. Eine Anlage mit Ost-West-Ausrichtung liefert rund 80 Prozent dieses Ertrags, ist durch den höheren Eigenverbrauch und die bessere Dachbelegung aber 2026 in vielen Fällen wirtschaftlich gleichwertig oder sogar überlegen. Dieser Ratgeber hilft dir bei der Entscheidung, ob ein Ost-West-Dach die richtige Alternative für dich ist.

Süd, Ost-West oder Nord – Die optimale PV-Ausrichtung

In Deutschland gilt die Süd-Ausrichtung als rechnerischer Goldstandard: Eine Süd-PV-Anlage mit 30 bis 35 Grad Neigung erzeugt zwischen 900 und 1.300 kWh pro installiertem kWp und Jahr – je nach Standort, Verschattungen und Modulqualität. Ein Süddach ist deshalb nach wie vor die ertragsstärkste Wahl im Idealfall.

Aber Hand aufs Herz: Die wenigsten Häuser stehen exakt nach Süden, und niemand hat ein perfektes Standarddach. Laut dena-Gebäudereport sind in Deutschland nur rund 44 Prozent aller Photovoltaikmodule reine Süd-Anlagen. Knapp ein Drittel (30 Prozent) entfällt auf Süd-West- oder Süd-Ost-Lagen, und der Rest verteilt sich auf Ost-West, reine Westanlagen und sehr wenige Nordausrichtungen. Mit anderen Worten: Die meisten realen PV-Anlagen sind keine reinen Süd-Anlagen – und funktionieren trotzdem hervorragend, da die Sonne den ganzen Tag wandert.

Wichtig zu wissen: In der Solartechnik beschreibt der Azimutwinkel die Abweichung von Süden. 0 Grad bedeutet exakt Süd, +90 Grad zeigt nach Westen, −90 Grad nach Osten. Eine Süd-West- oder Süd-Ost-Lage (±45 Grad Azimut) erreicht noch rund 95 Prozent des Süd-Ertrags – und sogar eine reine Ost- oder Westausrichtung bringt bei passendem Neigungswinkel oft noch 80 Prozent.

Süd vs. Ost-West-Ausrichtung im direkten Vergleich

Hier lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Tabelle der Einspeisevergütungen. Der häufigste Irrtum lautet nämlich: „Wenn nicht Süden, lohnt sich PV nicht." Das stimmte vielleicht 2010, als die Einspeisevergütung über 40 ct/kWh lag und sich jede zusätzliche Süd-Kilowattstunde direkt in barem Geld auszahlte. Heute liegt die Einspeisevergütung bei rund 7,78 ct/kWh (Stand 2026), während eine selbst verbrauchte Kilowattstunde rund 35 ct ersetzt. Die Rechnung hat sich also fundamental gedreht: Heute zählt der Eigenverbrauch – und genau dort spielt eine PV-Anlage mit Ost- und Westausrichtung ihre Stärken aus.

Der optimale Neigungswinkel je nach Photovoltaik Ausrichtung

Neben der Himmelsrichtung entscheidet der Neigungswinkel über den Jahresertrag. Anders als oft dargestellt, gibt es nicht den einen optimalen Winkel – er hängt von der Ausrichtung ab, da sich die Sonneneinstrahlung je nach Tageszeit verändert.

Konkret heißt das:

  • Süd-Anlage: 30 bis 35 Grad sind in deutschen Breitengraden ideal. In Süddeutschland eher 30°, in Norddeutschland eher 40°.
  • Süd-West / Süd-Ost: Hier funktioniert der gleiche Winkelbereich wie bei Süd – Ertragsunterschiede sind kaum spürbar.
  • Ost-West: Flacher ist besser. 10 bis 20 Grad bringen den höchsten Ertrag, weil das Sonnenlicht morgens und abends ohnehin flach einfällt. Auf einem Schrägdach lässt sich das selten erreichen, deshalb glänzt Ost-West besonders auf Flachdächern mit Aufständerung.
  • Nordausrichtung: Möglichst flach (max. 40°), dann sind noch rund 50 Prozent des Süd-Ertrags möglich.

Süd-Anlage

30–35°

Ideal in Deutschland. Im Norden eher 40°, im Süden eher 30°.

Süd-West / Süd-Ost

30–35°

Gleicher Winkelbereich wie Süd. Ertragsunterschied kaum spürbar (~95 %).

Ost-West

10–20°

Flacher ist besser. Besonders stark auf Flachdächern mit Aufständerung.

Nordausrichtung

max. 40°

Möglichst flach halten. Dann noch ~50 % des Süd-Ertrags möglich.

Faustregel: Je weiter die Ausrichtung vom Süden abweicht, desto flacher sollte der Neigungswinkel der Solarpanels sein.

Tageskurve: Warum Ost-West-Richtung oft wirtschaftlicher ist als Süd

Eine Süd-PV-Anlage erzeugt ihren Strom in einer schmalen, hohen Glockenkurve mit Mittags-Peak zwischen 11 und 14 Uhr. Vor 9 Uhr und nach 17 Uhr passiert wenig – und genau in diesem Zeitfenster sind viele Berufstätige gar nicht zu Hause. Der Großteil des Mittags-Überschusses fließt ins Netz, wo er nur noch die niedrige Einspeisevergütung bringt.

Eine Produktion über Ost-West-Systeme verteilt die Erzeugung dagegen über zwei breitere Peaks: morgens vom Ost-Modul, abends vom West-Modul. Mittags tragen beide Dachseiten zur Gesamtleistung bei, wenn auch nicht auf ihrem individuellen Maximum. Diese gleichmäßige Stromerzeugung passt deutlich besser zum typischen Tagesablauf eines Einfamilienhaushalts.

Das Ergebnis: Der Eigenverbrauchsanteil liegt bei einer Ost-West-Anlage ohne Speicher oft 10 bis 15 Prozentpunkte höher als bei einer reinen Süd-Anlage. Und weil jede selbst verbrauchte Kilowattstunde rund 25 bis 30 Cent mehr wert ist als eine eingespeiste, kann diese Verschiebung minimale Ertragseinbußen beim Gesamtertrag wirtschaftlich vollständig ausgleichen – oder sogar überkompensieren.

Süd-Anlage Ost-West-Anlage Typischer Haushaltsverbrauch
Süd: schmaler Mittags-Peak. Ost-West: zwei breitere Peaks morgens und abends. Haushaltsverbrauch als Fläche.

Eigenverbrauch Süd-Anlage

~25–30 %

ohne Speicher

Eigenverbrauch Ost-West

~35–45 %

ohne Speicher

Mehrwert je kWh Eigenverbrauch

+25–30 ct

vs. Einspeisung (~8 ct)

Sonderfall Flachdach: Mehr PV-Module auf gleicher Fläche

Auf einem Flachdach hast du die größte Gestaltungsfreiheit, weil die Solarmodule über eine Ost-West-Aufständerung in beliebigen Winkeln montiert werden können. Hier zeigt sich der zweite große Vorteil der Ost-West-Konfiguration: Bei flacher Aufständerung werfen die Module weniger Schatten auf die nächste Reihe. Du kannst auf derselben Dachfläche bis zu 50 Prozent mehr Module unterbringen als bei einer steilen Süd-Aufständerung – einfach, weil weniger Reihenabstand nötig ist.

Praktisch bedeutet das: Eine Ost-West-Belegung holt aus deinem Flachdach oft mehr installierte Leistung in kWp als eine Süd-Belegung – auch wenn pro Modul der Ertrag etwas geringer ist. Bei einer Mindestneigung von 10 bis 15 Grad sorgt der Regen außerdem für eine natürliche Selbstreinigung.

Schrägdach in Ost-West-Lage: Was du beachten musst

Bei einem Schrägdach gibt die Dachausrichtung den Neigungswinkel vor – du kannst sie nicht ohne Weiteres anpassen. Wenn dein Satteldach in Ost-West-Lage steht, hast du als Eigentümer faktisch zwei Dachflächen: eine nach Osten, eine nach Westen, beide mit der gleichen Dachneigung (typisch 25 bis 45 Grad).

Was das in der Praxis bedeutet:

  • Steile Dachneigung (40 Grad und mehr): Der Verlust gegenüber Süd liegt bei etwa 20 Prozent. Trotzdem ist diese Lösung wirtschaftlich oft sinnvoll, vor allem mit Speicher oder hohem Eigenverbrauch.
  • Mittlere Dachneigung (25 bis 35 Grad): Hier liegt der Verlust eher bei 15 Prozent, und die Stromproduktion verteilt sich angenehm über den Tag.

Wechselrichter-Auslegung: Da nie beide Dachseiten gleichzeitig die maximale Leistung erbringen, kann die Anlage mit modernen Wechselrichtern und mehreren MPP-Trackern intelligent gesteuert werden. Oft reicht ein kleinerer, günstigerer Wechselrichter aus, was die Kosten senkt.

Satteldach Ost-West Querschnitt Ost West morgens abends gleiche Neigung 25–45°

Steile Neigung

≥ 40°

~20 % Verlust gegenüber Süd. Wirtschaftlich sinnvoll – besonders mit Speicher oder hohem Eigenverbrauch.

Mittlere Neigung

25–35°

Nur ~15 % Verlust. Stromproduktion verteilt sich gleichmäßig über den Tag.

Wenn dein Dach hingegen in Nord-Süd-Lage steht, kannst du in der Regel nur die Südseite oder die Nordseite nutzen – eine echte Ost-West-Konfiguration ist dann nicht möglich. Hier lohnt sich eine professionelle Planung, bei der alle lokalen Faktoren berücksichtigt werden.

Wann sich Ost-West besonders lohnt – und wann nicht

Ost-West ist nicht automatisch besser als Süd – es kommt auf dein Profil und die baulichen Voraussetzungen an.

Ost-West ist die bessere Wahl, wenn:

  • Du tagsüber meist nicht zu Hause bist und Strom morgens und abends verbrauchst.
  • Du keinen Speicher planst und den Eigenverbrauch maximieren willst.
  • Du ein Flachdach hast und die maximale Modulanzahl unterbringen möchtest.
  • Dein Satteldach ohnehin in Ost-West-Lage steht – ja, das ist sehr wirtschaftlich.
  • Du Wert auf eine gleichmäßige, netzdienliche Erzeugungskurve legst.

Süd ist die bessere Wahl, wenn:

  • Du einen Speicher planst – der Mittags-Überschuss wird damit voll nutzbar.
  • Du eine besonders hohe Eigenverbrauchsquote schon durch Tagesverbrauch hast (Homeoffice, E-Auto-Ladung tagsüber).
  • Dein Dach steil ist (45 Grad und mehr) und ohnehin gut nach Süden zeigt.
  • Du noch eine ältere PV-Anlage hast, die maximal eingespeiste kWh belohnt.

Erfahre auch mehr in unserem Blogbeitrag Balkonkraftwerkausrichtung.

Häufige Fragen

Etwa 15 bis 20 Prozent beim reinen Jahresertrag. Eine gut ausgelegte Ost-West-Anlage erreicht typischerweise 720 bis 1.170 kWh pro kWp, eine Süd-Anlage 900 bis 1.300 kWh pro kWp. Durch den höheren Eigenverbrauchsanteil ist Ost-West für den Anlagenbesitzer wirtschaftlich aber oft gleichwertig oder besser.
10 bis 20 Grad. Je flacher die Module liegen, desto besser nutzen sie die flache Morgen- und Abendsonne. Auf einem Schrägdach ist man an die vorhandene Dachneigung gebunden; auf einem Flachdach kann der Winkel frei gewählt werden.
Zu den Nachteilen gehört, dass man für die gleiche kWp-Leistung mehr Module (und damit mehr Montagefläche) benötigt. Auch die spezifische Erzeugung pro Modul ist geringer als bei einer optimalen Südausrichtung.
Ja. Eine reine Ost- oder Westausrichtung erreicht bei passendem Neigungswinkel noch rund 80 Prozent des Süd-Ertrags. Bei aktuellen Strompreisen und niedriger Einspeisevergütung ist die Wirtschaftlichkeit weiterhin gegeben.
Der Azimutwinkel beschreibt die Abweichung der Modulausrichtung von Süden. 0 Grad heißt exakt Süd, +90 Grad West, −90 Grad Ost. Ein Wert von ±45 Grad entspricht Süd-West oder Süd-Ost und liefert noch etwa 95 Prozent des maximal möglichen PV-Ertrags.

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