Was ist der Unterschied zwischen Photovoltaik und Solar?
Photovoltaik erzeugt Strom. Solarthermie erzeugt Wärme. Das ist der Kern-Unterschied zwischen Solar und Photovoltaik. Beide Technologien nutzen die Sonnenstrahlen als Energiequelle, funktionieren aber grundlegend anders und lösen unterschiedliche Probleme in deinem Haushalt.
Der Begriff „Solar" sorgt im alltäglichen Sprachgebrauch regelmäßig für Verwirrung. Denn viele Menschen verwenden „Solaranlage" als Sammelbegriff für alles, was auf dem Dach liegt und irgendwas mit Sonne macht. Dabei ist Solar und Photovoltaik nicht dasselbe. In Wirklichkeit stecken zwei völlig verschiedene Technologien hinter dem Wort. Und die Frage, welche zu dir passt, hängt davon ab, was du eigentlich erreichen willst: weniger Stromkosten oder weniger Heizkosten.
In diesem Leitfaden erklären wir beide Systeme im Detail, vergleichen Kosten, Erträge und Förderungen und helfen dir bei der Entscheidung, welche Lösung für dein Zuhause die richtige ist.
Solar ist der Oberbegriff – nicht das Gleiche wie Photovoltaik
Fangen wir mit der Begriffsklärung an, denn hier liegt das häufigste Missverständnis. Der Unterschied zwischen Solar und Photovoltaik lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Solar" ist die Kategorie, „Photovoltaik" und „Solarthermie" sind die beiden Technologien darin.
„Solar" bedeutet einfach nur „die Sonne betreffend". Eine Solaranlage ist jede Anlage, die Solarenergie nutzt. Im Bereich der Solartechnik fallen darunter zwei grundlegend verschiedene Ansätze der Energiegewinnung:
- Photovoltaik (PV): Wandelt Sonnenlicht in elektrische Energie um. Du nutzt diesen PV Strom für deinen Haushalt, speicherst ihn in einem Batteriespeicher oder speist ihn ins Stromnetz ein.
- Solarthermie (ST): Wandelt Sonnenstrahlen in Wärme um. Diese Wärme heizt dein Wasser auf oder unterstützt deine Heizung. Die Wärmeerzeugung erfolgt über spezielle Solarkollektoren auf dem Dach.
Wenn jemand „Solaranlage" sagt, meint er meistens eine Photovoltaikanlage. Aber wer gezielt nach Warmwasser oder Heizungsunterstützung sucht, braucht möglicherweise eine Solarthermieanlage.
Funktionsweise von Photovoltaik und Solar
Wie funktioniert Photovoltaik?
Die Funktionsweise ist schnell erklärt: Sonnenstrahlen treffen auf Solarzellen aus Silizium, lösen Elektronen und erzeugen so Gleichstrom. Ein Wechselrichter wandelt diesen in Wechselstrom um – fertig ist die elektrische Energie für dein Zuhause. Es wird nichts erhitzt, nichts bewegt, kein Wasser umgepumpt. Deshalb sind Photovoltaik Anlagen praktisch wartungsfrei. Die Stromproduktion beginnt mit dem ersten Licht und endet mit der Dämmerung.
Moderne PV Module erreichen mittlerweile einen Wirkungsgrad von 20 bis 24 %. Damit erzeugt eine 10 kWp Anlage auf rund 35 bis 40 m² Dachfläche genug Solarstrom für einen 4-Personen-Haushalt.
Solarmodul
Sonnenstrahlen treffen auf Siliziumzellen, lösen Elektronen und erzeugen Gleichstrom.
Wechselrichter
Wandelt Gleichstrom in Wechselstrom um – bereit für dein Hausnetz und das öffentliche Netz.
Elektrische Energie
Sauberer Solarstrom versorgt dein Zuhause – wartungsfrei vom ersten Licht bis zur Dämmerung.
Die Funktionsweise im Detail – vom photovoltaischen Effekt über kWp bis zu den einzelnen Komponenten – erklären wir in unserem ausführlichen PV-Ratgeber:
Eine ausführliche Erklärung findest du in unserem Beitrag: Photovoltaik einfach erklärt – der komplette Ratgeber.
Informieren dich auch: Was eine 10kWp Anlage kostet.
Was kostet eine 10 kW Solaranlage mit Speicher und Montage?
Photovoltaik: Umfassender Ratgeber für eine smarte Investition in unabhängige Energie
Wie funktioniert Solarthermie?
Die Funktionsweise einer Solarthermieanlage unterscheidet sich grundlegend von Photovoltaik. Statt Strom zu erzeugen, dient die gesamte Anlage der Erwärmung von Wasser. Solarthermieanlagen bestehen aus Solarkollektoren auf dem Dach, einem Wärmetauscher und einem Warmwasserspeicher. Die Solarkollektoren erhitzen eine Wärmeträgerflüssigkeit (meist ein Wasser-Glykol-Gemisch). Diese heiße Flüssigkeit wird über Rohrleitungen zum Warmwasserspeicher gepumpt und gibt dort die Wärme ans Brauchwasser oder an die Heizung ab.
Es gibt zwei Haupttypen von Solarkollektoren:
- Flachkollektoren: Günstiger, einfacher Aufbau. Gut für die reine Warmwasserbereitung in den Sommermonaten.
- Röhrenkollektoren: Teurer, aber deutlich höhere Effizienz – besonders im Winter und bei diffusem Licht. Erreichen höhere Temperaturen und eignen sich besser zur Heizungsunterstützung.
Der Wirkungsgrad von Solarthermie liegt bei 60 bis 80 % – deutlich höher als bei Photovoltaik. Allerdings ist dieser Vergleich trügerisch, weil Wärme und Strom nicht gleichwertig sind. Eine Kilowattstunde Strom ist vielseitiger einsetzbar als eine Kilowattstunde Wärme. Strom kann heizen, kühlen, beleuchten, kochen und Geräte betreiben. Wärme kann nur wärmen.
Solarkollektor
Erhitzt ein Wasser-Glykol-Gemisch durch Sonnenstrahlung.
Warmwasserspeicher
Gibt Wärme ans Brauchwasser oder an die Heizung ab.
60–80 % Wirkungsgrad
Deutlich höher als Photovoltaik
Flachkollektor
Günstig, einfacher Aufbau. Gut für Warmwasserbereitung in den Sommermonaten.
Röhrenkollektor
Höhere Effizienz, auch bei diffusem Licht. Besser für Winter und Heizungsunterstützung.
Solarthermie und Photovoltaik: Der direkte Vergleich
| Photovoltaik | Solarthermie | |
|---|---|---|
| Was wird erzeugt? | Strom (elektrische Energie) | Wärme (Wärmeerzeugung) |
| Wirkungsgrad | 20 – 24 % | 60 – 80 % |
| Verwendungszweck | Haushaltsstrom, Speicher, Einspeisung, E-Auto, Wärmepumpe | Warmwasser, Heizungsunterstützung |
| Typische Anlagengröße (EFH) | 8 – 15 kWp | 4 – 12 m² Kollektorfläche |
| Kosten (ohne Montage) | 3.000 – 12.000 € | 3.000 – 8.000 € |
| Kosten pro erzeugte kWh | 6 – 10 Cent | 4 – 8 Cent (nur Wärme) |
| Platzbedarf Dach | 35 – 60 m² | 4 – 12 m² |
| Speicherung | Batteriespeicher (langlebig, flexibel) | Warmwasserspeicher (groß, Wärmeverluste) |
| Einspeisevergütung | Ja (7,78 Cent/kWh) | Nein |
| Wartung | Sehr gering | Höher (Pumpe, Frostschutz, Dichtungen) |
| Lebensdauer | 25 – 30 Jahre | 20 – 25 Jahre |
| Effizienz Flächennutzung | Hoch (Strom = universell) | Gering (nur Wärme) |
| 0 % MwSt. 2026 | Ja | Nein |
Einen Punkt sehen viele nicht auf den ersten Blick: Photovoltaik kann heute fast alles, was Solarthermie kann – aber nicht umgekehrt. Mit einer Photovoltaikanlage und einem Heizstab oder einer Wärmepumpe lässt sich PV Strom in Wärme umwandeln. Eine Solarthermieanlage kann dagegen keinen Strom erzeugen.
Photovoltaik: Vor- und Nachteile gegenüber Solarthermie
Die allgemeinen Vor- und Nachteile von Photovoltaik – von der Stromkostenersparnis über die Umweltbilanz bis zur Wetterabhängigkeit – behandeln wir ausführlich in unserem PV-Ratgeber.
Hier konzentrieren wir uns auf die Punkte, die im direkten Vergleich mit Solarthermie den Unterschied machen:
Vorteile gegenüber Solarthermie:
-
PV Strom ist universell einsetzbar. Strom treibt Licht, Kühlschrank, Waschmaschine, E-Auto und Wärmepumpe an. Überschüssigen Solarstrom speicherst du im Stromspeicher oder speist ihn gegen Vergütung ins Stromnetz ein. Wärme aus Solarthermie kann nur wärmen.
-
Deutlich bessere Förderung. Photovoltaik Anlagen profitieren 2026 von der 0 % Mehrwertsteuer, der Einspeisevergütung und zahlreichen kommunalen Zuschüssen. Solarthermie bekommt weder die Steuerbefreiung noch eine Einspeisevergütung.
-
Skalierbar und erweiterbar. Du kannst mit einem Balkonkraftwerk starten und später Module, Speicher oder eine Wallbox ergänzen. Das System wächst mit deinem Strombedarf. Bei Solarthermie ist die Anlage nach der Installation fix.
Nachteile gegenüber Solarthermie:
-
Höhere Anschaffungskosten pro m² Dachfläche – allerdings durch die breitere Nutzbarkeit und Förderung meist trotzdem wirtschaftlicher.
-
Batteriespeicher als Zusatzinvestition nötig, wenn du den Solarstrom auch abends und nachts nutzen willst.
Solarthermie: Vor- und Nachteile gegenüber Photovoltaik
Vorteile:
-
Hohe Effizienz für Warmwasser. Für die reine Warmwasserbereitung in den Sommermonaten ist Solarthermie sehr effizient. Zwei bis drei Solarkollektoren reichen oft aus, um 60 bis 70 % des jährlichen Warmwasserbedarfs solar zu decken.
-
Weniger Dachfläche nötig. Für Warmwasser reichen 4 bis 6 m² Kollektorfläche – deutlich weniger als Photovoltaik Anlagen benötigen. Relevant, wenn dein Dach klein ist.
Nachteile:
-
Nur für Wärmeerzeugung nutzbar. Strom kannst du mit Solarthermieanlagen nicht erzeugen. In Zeiten steigender Strompreise ist das ein erheblicher Nachteil.
-
Keine Einspeisevergütung. Überschüssige Wärme im Sommer lässt sich nicht verkaufen, sondern geht verloren.
-
Höherer Wartungsaufwand. Die Umwälzpumpe, das Frostschutzmittel und die Dichtungen müssen regelmäßig geprüft und erneuert werden.
-
Keine 0 % MwSt. Solarthermie profitiert nicht von der Steuerbefreiung, die für Photovoltaik Anlagen gilt.
-
Weniger zukunftssicher. Der Trend geht klar in Richtung Strom: Wärmepumpen ersetzen Gasheizungen, E-Autos ersetzen Verbrenner. All das braucht elektrische Energie, keine Wärme.
Die dritte Option: Warmwasser mit Solarstrom statt Solarthermie
Hier wird es spannend. Denn seit einigen Jahren gibt es im Bereich der Solartechnik eine Lösung, die die Vorteile beider Technologien verbindet: Einen Hybridboiler mit PV-Modulen. Statt Sonnenstrahlen über Kollektoren in Wärme umzuwandeln, nutzt du Solarstrom direkt zur Erwärmung deines Wassers – über einen elektrischen Heizstab im Warmwasserspeicher.
Das Prinzip ist bewusst einfach: Solarmodule erzeugen Strom, der Strom fließt direkt in den Heizstab, das Wasser wird warm. Kein Wechselrichter nötig, keine Anmeldung beim Netzbetreiber, keine Frostschutzprobleme.
In der Praxis zeigt sich: Mit zwei bis drei Solarmodulen lassen sich rund 75 % der jährlichen Warmwasserkosten einsparen. Für einen 2-Personen-Haushalt bedeutet das 200 bis 300 Euro weniger auf der Stromrechnung pro Jahr. Der Anschaffungspreis liegt deutlich unter dem einer klassischen Solarthermieanlage.
Samuel, unser Elektrotechniker, hat diese Lösung ausführlich getestet und in einem eigenen Beitrag beschrieben: Warmwasser mit Solarstrom als Alternative zu Solarthermie
Warmwasser mit Solarstrom: Hybridboiler als einfache Alternative zur PV-Anlage
Photovoltaik oder Solarthermie: Was passt zu dir?
Die Entscheidung hängt von deiner Situation ab. Hier eine Orientierungshilfe:
Photovoltaik oder Solarthermie –
was passt zu dir?
Finde in nur wenigen Schritten die Solarlösung, die wirklich zu deiner Situation passt.
Photovoltaik ist die bessere Wahl, wenn du:
- deine Stromkosten senken willst (und das wollen die meisten)
- bereits eine Wärmepumpe hast oder planst
- ein E-Auto fährst oder anschaffen willst
- einen Batteriespeicher für mehr Unabhängigkeit nutzen möchtest
- die Einspeisevergütung mitnehmen willst
- von der 0 % Mehrwertsteuer 2026 profitieren möchtest
- oder dein Haus zukunftssicher ausstatten willst
Solarthermie kann sinnvoll sein, wenn du:
- eine Gasheizung hast, die du noch lange nutzen willst, und nur die Warmwasserkosten senken möchtest
- sehr wenig Dachfläche zur Verfügung hast (unter 15 m²)
- oder eine bestehende Heizungsanlage gezielt unterstützen willst
Unsere ehrliche Einschätzung: Für die große Mehrheit der Eigenheimbesitzer ist Photovoltaik 2026 die bessere Investition. Solarenergie in Form von Strom wird in den kommenden Jahren immer wichtiger – für Heizung, Mobilität und Haushalt. Wer heute in Photovoltaik investiert, legt den Grundstein für ein Zuhause, das mit dem eigenen Strombedarf mitwächst. Solarthermie ist eine gute Ergänzung, aber selten die bessere Hauptlösung.
Kann man Solarthermie und Photovoltaik kombinieren?
Ja, das ist technisch möglich. Auf dem Dach werden dann PV Module und Solarkollektoren nebeneinander montiert. In der Praxis sehen wir das allerdings immer seltener, weil Photovoltaik mit Heizstab oder Wärmepumpe die gleiche Aufgabe günstiger und flexibler löst.
Die Kombination lohnt sich am ehesten, wenn du eine bestehende Solarthermieanlage hast und dein Dach mit Photovoltaik ergänzen willst. Dann nutzt du die Solarthermie weiter für Warmwasser und die PV-Anlage für Strom, Speicher und alles andere.
Für Neuinstallationen empfehlen wir in fast allen Fällen: Volle Dachfläche mit Photovoltaik belegen und Warmwasser über einen Heizstab, Hybridboiler oder eine Wärmepumpe erzeugen. So holst du das Maximum aus jeder verfügbaren Fläche auf deinem Dach.
Kosten und Förderung im Vergleich
| Photovoltaik (10 kWp) | Solarthermie (Warmwasser) | |
|---|---|---|
| Anschaffung Komponenten | 3.200 – 5.500 € (ohne Speicher) | 3.000 – 5.000 € |
| Speicher | 3.000 – 6.000 € (optional) | Warmwasserspeicher inkl. |
| Montage | 3.500 – 7.000 € | 2.000 – 4.000 € |
| Gesamtkosten | 8.000 – 18.000 € | 5.000 – 9.000 € |
| Jährliche Ersparnis | 1.500 – 2.600 € | 300 – 500 € |
| Amortisation | 5 – 10 Jahre | 12 – 18 Jahre |
| 0 % MwSt. 2026 | Ja | Nein |
| Einspeisevergütung | 7,78 Cent/kWh | Keine |
| KfW-Kredit | Ja (270) | Ja (261/262) |
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Photovoltaik kostet mehr in der Anschaffung, spart aber auch drei- bis fünfmal so viel pro Jahr. Die Amortisation ist bei PV deutlich kürzer. Durch die 0 % Mehrwertsteuer und die Einspeisevergütung wird der Abstand 2026 noch größer.
Erfahre mehr in unseren Beiträgen zur Förderungen für PV-Anlagen 2026 und Neue PV-Gesetze 2026.
Photovoltaik 2026: Neue Gesetze, neue Chancen für PV-Anlagen & Stromspeicher
Balkonkraftwerk Förderung 2026
Häufig gestellte Fragen zum Unterschied zwischen Photovoltaik und Solar
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